Gegenstand des Faches Griechisch ist die gesamte textlich erfasste Hinterlassenschaft der griechi­schen Antike. Zur Sprache und Literatur als traditionellem Zentrum des Faches treten die Erfor­schung der griechischen Kultur auf der Basis schriftlicher Quellen sowie die Rezeption der griechischen Literatur und Mythologie in den Literaturen sowie in allen übrigen Formen der Kunst. Da die griechischen Texte die europäische Geistesgeschichte bis in die Gegenwart mitbestimmen, kommt als ein weiterer Schwerpunkt des Faches die Behandlung von Grund­fragen der europäischen Philosophie, der Gesellschaft und der menschlichen Existenz hinzu, die in diesen Texten formuliert sind. Aufgrund dieser Inhalte ergibt sich eine interdisziplinäre Funktion und Ausrichtung des Faches nicht nur zu den übrigen altertumswissenschaftlichen Disziplinen, der Historisch-Vergleichenden Sprachwissenschaft und der Byzantinistik, son­dern auch zu den modernen Literaturen, der Philosophie, der Theologie, Judaistik, Theater­wissenschaft und zu den modernen Kulturstudien, so dass die Gräzistik als Kernfach sowie Dreh- und Angelpunkt einer geisteswissenschaftlichen Fakultät anzusehen ist. Diese Funktion wird verstärkt durch die Tatsache, dass sich das Fach neben dem philologischen Zentrum zunehmend einer Ausrichtung als moderner Kulturwissenschaft öffnet, die alle kreativen Produkte und Performanzen als symbolische Ausdruckformen auf dem Stand moderner geisteswissenschaftlicher Methodologie und auch auf der Grundlage anthropologischer Vergleichsstudien analysiert.


Forschungsschwerpunkte

Die Basler Gräzistik besitzt eine lange Forschungstradition und ein weltweites Renommee. Sie zeichnet sich durch eine ausgeprägte Profilierung in folgenden Bereichen aus:

▪       Homerisches Epos
▪       frühgriechische Lyrik
▪       attische Tragödie und Komödie
▪       griechischer Liebesroman
▪       hellenistische Dichtung
▪       griechische Religion, Mythos und Ritual, bes. Dionysos
▪       Literaturkritik
▪       vorsokratische Philosophie

Auf der Grundlage ihrer besonderen Tradition (Nietzsche, Meuli) vertritt sie eine Öffnung zur modernen Kulturwissenschaft und integriert dabei anthropologische,kulturwissenschaftlich-komparatistische und literaturtheoretische Fragestellungen (u.a. Metatheatralität, Mündlichkeit, Performativität, Ritualität, Intertextualität, Erzähltheorie). In diesem Kontext untersucht sie vor allem auch die Interdependenz von griechischer Literatur und Religion. Zudem hat sie Schwerpunkte in der Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts; ein wichtiger Gegenstand ist die Erforschung moderner Inszenierungen antiker Dramen.

Aushängeschild mit weltweiter Ausstrahlung ist der Basler Homerkommentar. Weitere renommierte Forschungsbereiche sind die Chor- und Liedkultur der archaischen und klassischen Zeit, wobei die führende Funktion (core membership) in der Kooperation mit dem Network for the Study of Archaic and Classical Greek Song zu erwähnen ist, daneben die mythisch-rituelle Poetik, das griechische Drama und seine Rezeption und der antike Roman.